Der bayerische Lifestyle

Um ein Verständnis für die bayerische Lebensart zu entwickeln, ist es hilfreich in Betracht zu ziehen, dass es sich bei ihnen ursprünglich um ein Bergvolk handelte.

 

Die geographische Abgeschiedenheit und der härtere Überlebenskampf in den Bergen hat die Vorfahren der Bayern maßgeblich geprägt. Entwickelt hat sich daraus einen an harte Arbeit gewohnten Menschen, für den es zudem lebensnotwendig war, mit einer Gemeinschaft verbunden zu sein, die ihm das Überleben sicherte. Denn in den Bergen konnte niemand lange alleine überleben.

 

Damit er in dieser Gemeinschaft akzeptiert wurde, musste der Bayer entsprechende soziale Fähigkeiten, insbesondere Anpassung und Einordnung, entwickeln. Das dürfte die Basis der bekannten bayerischen Friedfertigkeit und der damit verbundenen Gemütlichkeit und Gelassenheit sein, denn sie vermindert Konflikte und die Gefahr des – früher – lebensgefährlichen Ausschlusses aus der Gruppe. Auch der typische wohlwollende Ausspruch „Passt scho“ ist dieser Eigenart zuzuordnen. Wichtigtuer, Besserwisser und andere den Frieden störende Verhaltensweisen werden abgelehnt, aber trotzdem mit vermeintlich niedlichen, liebevollen oder humorvollen Ausdrücken bezeichnet. So wird ein Besserwisser als „Gscheidhaferl“ bezeichnet, was aber nichts anderes als „Klugscheißer“ heißt. Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass der bayerische Dialekt weniger direkt und hart ist und somit das Gesicht des Gegenübers und den Frieden eher wahrt. Diese gelassene oder unaufgeregte Art der Bayern ist zudem Ursprung ihres trockenen Humors, der für Fremde total cool wirkt.

 

Zusammengefasst sind der Wunsch nach Verbundenheit zu einer Gemeinschaft und die damit einhergehende Friedfertigkeit Basis des berühmten bayerischen Lifestyles.

 

Gemeinschaft will gepflegt werden und das tut der Bayer am liebsten mit einem guten Essen und Bier. Die Fleischgerichte, Mehlspeisen und Knödel sind üppig und haben ihren Ursprung in der bäuerlichen Küche, die das hart arbeitende Gebirgsvolk satt machen musste, wobei es Fleisch bei der breiten Bevölkerung nur am Sonntag gab.

 

In Bayern ist mit über 600 Brauereien die Hälfte aller deutschen Brauereien angesiedelt. Für die ausgezeichnete bayerische Bierqualität sorgt das 1516 erlassene Bayerische Reinheitsgebot, nach welchem Bier nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser bestehen darf. Andere Zusätze wie Zucker oder – wie vor dem Erlass des Bayerischen Reinheitsgebots noch üblich - berauschende Pflanzen sind verboten. Bier getrunken wird in den zahlreichen bayerischen Wirtshäusern, in den Biergärten auf einfachen Holzbänken im Schatten von alten Kastanienbäumen sowie auf den zahlreichen Volksfesten.

 

Das berühmteste Volksfest ist das weltbekannte Oktoberfest, an welchem natürlich reichlich Bier getrunken wird. Rund 7 Mio. Liter sollen es sein – bei rund 6 Mio. Besuchern. Hatte es seinen Ursprung in einer Adelshochzeit, an welchem auch ein Pferderennen veranstaltet wurde, so hat es sich längst zum größten Bierfest weltweit gewandelt.

 

Nicht nur die Einheimischen werfen sich für den Besuch des Oktoberfests in Lederhosen und Dirndl, sondern auch für die zahlreichen Touristen, die aus dem In- und Ausland her anreisen, gibt es Billigversionen der bayerischen Tracht zu kaufen.

 

Ein liebevoller Umgang miteinander fördert den bayerischen Gemeinschaftssinn ebenfalls, weshalb die Marktstände am Oktoberfest Lebkuchenherzen, verziert mit emotionalen Begriffen und Sprüchen, darbieten, welche die Käufer wiederum weiter verschenken. Sowieso wird in Bayern alles mit Herzsymbolen ausgeschmückt.

 

Der für die Bayern typische Sinn für Gemeinschaft wurde natürlich längst von gewieften Marketingstrategen entdeckt und wird entsprechend genützt. Allen voran kokettiert der FC Bayern München mit dem Slogan „Mia san mia“. Diese bayerische Phrase verleiht einem Bayern das Gefühl, Teil einer besonderen Gemeinschaft zu sein, weshalb die Fanbasis dieses Fussballclubs auch so solide ist.

 

Zusammengefasst hat es Bayern geschafft, seine besondere Eigenart vielfältig zu konkretisieren und darzustellen und damit ein weltweit bekanntes Image, eine besondere Volksgruppe zu sein, die für enge Zugehörigkeit, Geselligkeit und Gemütlichkeit steht, was alljährlich Millionen von Touristen anzieht, in der Hoffnung von diesem Lebensgefühl ebenfalls etwas abzubekommen.