Das Smartphone-Flaggschiff

Seit ein paar Jahren wird der Anglizimus "flagship", übersetzt Flaggschiff,  für die Bezeichnung von Smartphones fast inflationär gebraucht. Man spricht vom flagship iPhone, vom Samsung flagship Phone und so weiter und so fort.

 

Die Flaggschiffmeldungen der Hersteller wechseln sich in kurzen Abständen ab und nach einem Jahr steht das Flaggschiff von Anfang Jahr Ende Jahr schon kurz vor der Ausmusterung. Das tönt nun witzig, ist aber eigentlich eine ernste Angelegenheit, wenn man sich vergegenwärtigt, was ein Flaggschiff überhaupt ist.

 

Ein Flaggschiff ist nämlich das Führerschiff eines Flottenverbandes. Da es kriegerischen Zwecken diente, war es groß und stark bewaffnet. Gestützt auf diese Erkenntnis wird schnell klar, dass es sich bei „Smartphone Flaggschiffen“ um etwas sehr Bedeutendes handeln muss. So gehören zur „Bewaffnung“ eines Smartphones ein spezielles Displayglas, die beste Kamera, das langanhaltendste Akku oder das schönste Design. Auch die Größe spielt eine Rolle, je größer desto eher wird ein Smartphone als Flaggschiff bezeichnet.

 

Doch das ist alles harmlos. Zu denken gibt wohl eher, dass sich die Marketingverantwortlichen und Hersteller eines Kriegsbegriffes bedienen. So wortwörtlich muss man es zwar nicht nehmen, aber immerhin lässt sich daraus ableiten, dass es bei Smartphones um eine gesellschaftlich sehr wichtige Sache gehen muss.Es fragt sich, ob damit nur der mörderische Wettbewerb unter den Herstellern gemeint ist oder ob es sich schon gar um einen Klassenkampf in unseren modernen Gesellschaften handelt. Denn zur vornehmeren Smartphone-Community gehört, wer das aktuelle Flaggschiff-Smartphone vom gerade hippsten Hersteller besitzt.